Welches Longboard für Anfänger?

Back to the Roots! Betrachtet man die Geschichte des Longboards – dem eigentlichen Vorreiter des Skateboards – blickt man auf die lange Geschichte des motorenlosen Cruisens auf Asphalt zurück. Trotz großer Beliebtheit des Skateboardens in den letzten Jahrzehnten, rüsten die Boarder seit einiger Zeit wieder auf das traditionelle, und im Vergleich zum Skateboard somit ältere Modell, um. Dabei gilt es gerade für Longboard Anfänger einiges zu beachten. In den folgenden Abschnitten wird auf die verschiedenen Aspekte, auf die man bei der Wahl eines Longboards für Anfänger achten sollte, näher eingegangen.

Welche Fehler kann man beim Kauf vermeiden?

Wichtig ist: Das Board sollte nicht in einem Spielzeug- oder Fahrradladen gekauft werden, sondern in einem Fachhandel. Denn Longboards sind kein Spielzeug. Noname-Longboards aus dem Discounter sind meistens schlecht verarbeitet, halten nicht lange und fahren sich nicht gut. So endet dann der Longboard-Spaß oft schon, bevor er überhaupt richtig angefangen hat. Der zweite große Fehler ist meist die Preisfrage. Hier können beide Extreme zu einer Enttäuschung führen. Setzen Neulinge blindlings auf hochpreisige Markenware, ohne genau zu wissen, auf was sie zu achten haben, kann es leicht passieren, dass sie zu einem Modell greifen, dass einfach nicht zu ihrem Fahrstil passt. Umgekehrt ist ein verdächtig günstiges Angebot ist nicht zu empfehlen: Qualität hat eben immer seinen Preis.

Unterschiedliche Freiheiten auf dem Board

Longboard ist nicht gleich Longboard. Die alles entscheidende Frage lautet: Was möchtest Du damit anstellen? Welches Longboard passt zu mir? Hier gibt es die unterschiedlichsten Disziplinen, die allesamt wieder mit einem eigenen Setup kommen. Natürlich verschwimmen die Grenzen zwischen manchen Boards. Dennoch ist es empfehlenswert, schon vor dem Kauf eine ungefähre Vorstellung davon zu haben, wo es hingehen soll. Die wichtigsten Fahrstile stellen wir hier kurz vor.

Cruising

Cruising bedeutet nichts anderes, als entspannt zu fahren. Die Cruiser Longboards sehen den Skateboards am ähnlichsten. Ein Kicktail ermöglicht Airs und Ollies. Cruising Longboards sind die Klassiker unter den Longboards und meist komplett erhältlich. Die Kombi aus flexibler Mobilität und hoher Geschwindigkeit wird dabei aufgrund einer kleinen Wölbung des Decks sowie den Aussparungen oberhalb der Rollen erreicht. So werden Wheelbites verhindert – die Berührung von Rolle und Deck, die zu einem abrupten Halt des Boards und unschönen Stürzen führt.

Carving / Surf-Skate

Carving Longboards bringen das Surfen auf die Straße, mit einem unnachahmbar flowigen Gefühl, das sehr nah an das Wellenreiten herankommt. Geschwindigkeit ist hier nebensächlich. Viel wichtiger ist hier die Wendigkeit des Boards, die durch speziell für das Carving entwickelte Achsen gewährleistet wird. Viele Carving Boards haben eine breite Oberfläche, was für Anfänger ideal ist und sie sind in der Regel eher steif. Die Wahl fällt hier außerdem auf weiche Rollen, da diese mehr Grip haben und besser an der Straße haften.

Dancing / Freestyle

Eine besonders eindrucksvolle Weise des Longboardings ist das Dancing, wobei man während der Fahrt quasi auf dem Board spazieren geht. Step und Cross Step sind hierbei die Basics für diverse Walking Combos auf dem Longboard für Anfänger. Bei einem Dancing Longboard kommt es auf ein langes und breites Deck an, welches genug Platz und Standfläche bietet. Für gewöhnlich kommt eine Top-Mount Achsenmontage zum Einsatz. Der trickreichere Bruder des Dancing ist der Freestyle. Hier werden mit den Longboards die klassischen Skateboard-Tricks und speziell für das Longboard entwickelte Tricks durchgeführt.

Freeride

Eine rasantere Disziplin unter den Longboard Fahrstilen ist der Freeride. Dabei handelt es sich um schnelle Fahrten einen Abhang beziehungsweise eine Straße herunter. Kombiniert werden diese schnellen, abschüssigen Abfahrten oft mit Drifts und Slides – symmetrische Twintip Boards sind die Lösung für diese schnellen Fahrten. Ein harter Flex sorgt für die nötige Stabilität. Freeride Boards verbinden den tiefen Schwerpunkt des Downhill Longboards mit dem symmetrischen Aufbau für flexible Einsätze in beide Fahrtrichtungen. Zudem sorgen einige erhöhte Flächen für optimale Standfestigkeit. Beim Freeride ist es, im Gegensatz zum Downhill, unerheblich wer als erster unten ankommt. Hier stehen eher Style und Spaß im Vordergrund.

Downhill

Wer die Abfahrt ein bisschen kompetitiver mag und mit maximalem Nervenkitzel erleben möchte, versucht sich im Downhill Longboarding. Diese Wettkampf-Version des Freerides, wird in der Regel in Kombis aus Leder und Fullface Helmen ausgetragen. Hier werden steile Abhänge heruntergebrettert und bis zu 100 Kilometer in der Stunde erreicht. Auch Downhill Longboards erfordern viel Stabilität. Ein harter Flex ist hier wichtig, ebenso wie die höhere Concave des Decks, damit man beim Sliden nicht vom Deck rutscht. Downhill Longboards verfügen aus diesem Grund über einen tiefen Schwerpunkt, sodass das Brett auch ab Geschwindigkeiten von 50 Kilometer in der Stunde nicht unruhig wird.

Warum ein Longboard für Anfänger?

Anfänger-Longboards erleichtern Einsteigern die ersten hundert Stunden auf den Wheels und sind ideal um sich überhaupt erstmal auf dem Board zurechtzufinden, bevor es in eine der vielen Disziplinen geht. Denn häufig sind die Profi-Boards bereits auf einen bestimmten Fahrstil ausgerichtet. Die perfekten Anfänger-Longboards sind also preiswerte Allrounder.

Worauf sollte man achten?

Beim Kauf eines Anfänger Longboards spielt die Länge eine entscheidende Rolle. Bei einer Boardlänge von ca. 90 - 100 Zentimetern lässt sich das Fahren am besten erlernen und der Start in die Welt des Longboards fällt vielen Umsteigern und Anfängern einfacher. Wichtig ist es, sofern bei dem Wunschmodell vorhanden, auf den Flex, also wie hart oder weich das Board ist, zu achten. Hier gibt es nicht wirklich richtig oder falsch, aber man sollte sich, je nach Einsatzzweck, darauf wohlfühlen.

Folgende Tipps helfen bei der Wahl des richtigen Brettes.

    • Achsen-Montage:

      Die Achsen des Longboards können entweder an der Unterseite des Boards verschraubt werden – das nennt man Top Mount. Oder aber sie werden durch einen Ausschnitt im Deck befestigt – Drop Through. Für Anfänger empfiehlt sich eine Drop Trough Montage, da diese mehr Stabilität und einen tieferen Schwerpunkt verspricht. Außerdem fällt das Pushen durch den niedrigeren Stand leichter. Top Mount Konstruktionen sind für Anfänger eher schwierig.
    • Concave:

      Diese Charakteristik bezeichnet die unterschiedliche Querwölbung des Decks. Starkes Concave sorgt für mehr Druck auf der Kante und ermöglicht somit einen aggressiveren Fahrstil. Allerdings empfinden viele Fahrer ein starkes Concave nach einer gewissen Zeit als störend beim Fahren, da der Fuß nicht gerade steht. Für Anfänger empfehlen wir also eher ein moderates Concave. Sonderarten wie ein W-Concave, also eine Concave, dass sich dem Fußgewölbe anschmiegt, sind vor allem für Downhill und Freeride interessant.
    • Kicktail:

      Dieser als eine Art Hebel am Ende des Longboards versehene Ansatz hilft den Fahrer vor allem bei Tricks und in der Freestyle-Variante. Somit lässt sich kreatives Potenzial einzelner Sprünge oder Fahrten durchaus fördern. Im richtigen Design fungiert es beim Cruiser und Carver auch als visuelles Highlight. An der Front befestigt, wird dieser Fortsatz als Nose bezeichnet.
    • Trucks:

      Die Trucks werden im späteren Fahrverhalten eine besonders wichtige Rolle spielen. Zu Beginn reichen die Standardlösungen für Anfänger aus. Im Laufe der Zeit werden diese Achsen nach Konstruktion, Breite und Winkel sehr speziell nach dem jeweiligen Fahrstil ausgesucht. Als Allround-Lösung für Einsteiger empfehlen wir Achsen mit einer Hanger Breite von ca. 180mm und Achswinkel von ca. 50°.
    • Wheels:

      Weiche Rollen garantieren den Fahrern mehr Halt auf den Straßen. Zudem gleichen diese niederen Härtegrade eventuelle Unebenheiten auf der Fahrbahn aus – Cruiser werden ihre Freude damit haben. Bei hohen Geschwindigkeiten empfiehlt sich zusätzlich der Griff zu größeren Rollen. Bei der Größe der Rollen ist ein Einsteigerwert zwischen 68 und 72 Millimeter ideal. Als Härte empfehlen wir für den Einstieg 78a – 83a.

 

Hinweis: Zu große Rollen führen häufig zu so genannten Wheelbites, wobei erstens die Kunststoffrollen selbst beschädigt werden können, aber auch das Brett und die Achsen in Mitleidenschaft geraten.

Bei der Entscheidungsfindung helfen sicher folgende Hinweise:

      • Längere Longboards für Anfänger und passender Flex garantieren eine höhere Stabilität bei rasanteren Geschwindigkeiten
      • Kurze Bretter schenken vor allem in der Stadt eine größere Wendigkeit
      • Softes Cruisen dank weichen Flex
      • Verstärktes Ausbrechen (Sliden) mittels härterer Rollen
      • Bessere Dämpfung und mehr Grip fürs Carven durch weiche Wheels
      • Skateorientierte Longboards stehen als kürzere Versionen mit ausgeprägtem Kicktail parat

Longboard für Anfänger - Komplett kaufen oder selber zusammenstellen?

Einem Anfänger würden wir immer empfehlen sich zuerst für ein Komplettboard zu entscheiden. Denn um sich ein Board selbst zusammenzustellen braucht es einiges an Know How. Die Parts müssen untereinander harmonieren und das ganze Board dann zusätzlich auch richtig auf den jeweiligen Fahrstil ausgerichtet sein.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Im guten Fachhandel findet man in einer Preisspanne zwischen 120 und 250 Euro gute Einsteiger Boards und gleichzeitig verlässliche Qualität. Auf ein Longboard für etwa 40 bis 50 Euro sollte generell verzichtet werden, denn hier wurde ganz offensichtlich an der Qualität gespart – und das trübt den Fahrspaß.

Welche Sicherheitsaspekte gilt es zu berücksichtigen?

Schutzkleidung beim Longboarden ist unerlässlich – aber auch die gibt es in wunderbaren Designs. Zur Grundausstattung gehören Schutzhelm sowie Gelenkschoner für Knie und Ellenbogen. Vorteilhaft wären ebenso Handgelenksschoner, weil man sich bei einem Sturz – und das gehört zur Longboard Experience dazu – eher mit ausgestreckten Armen abfangen möchte und daher enorme Kräfte auf die Handballen wirken. Am besten hierfür dienen Handschuhe mit integrierten Schutzplastiken für den optimalen Schutz. Die Handschuhe lassen sich zudem wunderbar für das Handsliden während der Fahrt nutzen. Zum sicheren Fahrgefühl gehört auch der weise Einstieg in das Longboard-Erlebnis. Dieser beginnt mit anfänglichen Fahr- beziehungsweise Bremsübungen und zieht sich dann erst in Richtung Geschwindigkeit und Tricks.

Wo darf ich damit fahren?

Longboards gehören in den größeren Städten mittlerweile fast zum Alltagsgeschehen im Verkehr, werden juristisch gesehen dennoch den Sportgeräten und nicht den Fahrzeugen zugeordnet. Des Weiteren darf ein solches Board nicht am offenen Straßenverkehr teilnehmen. Für die langen Bretter gelten die Regeln wie für Fußgänger nach § 24 Abs. 1 StVO – Fahrradwege und Fahrbahnen sind somit tabu. Die Kontrolle der Geschwindigkeit ist das A-und-O in der Öffentlichkeit. In einigen Nachbarländern Deutschlands ist das Fahren auf dem Radweg gestattet. Die meisten Fahrstile lassen sich am besten in Skatehallen, Longboardparks und auf Halfpipe-Anlagen umsetzen.

Wo gibt es Kurse?

Als Erstes geben die Händler des Vertrauens wichtige Tipps, wo in der Stadt mögliche Kurse für Longboard Anfänger stattfinden. Mitunter werden diese sogar von dem Laden selbst angeboten. Eine zusätzliche Frage an die Profis der Board Parks und Skaterareale gibt sicher gutes Insiderfeedback. Tatsächlich fungieren einige Longboarder selbst als Lehrer. In größeren Städten hat es sich mittlerweile durchgesetzt, dass sogar Kurse an der Volkshochschule in regelmäßigen Abständen angeboten werden, in denen man neben Informationen zu Drops, Flex und Wheels auch gezielt Fahrübungen beziehungsweise Trickmanöver lernt. Für weitere Informationen wenden sich die Fahrer am besten auch an die Boarding-Portale im Internet.


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